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Samstag, 8. März 2014
petrusdrygalski
19:21h
Vom Weg abgekommen
![]() Bildquelle: Wikimedia Der Beginn einer Auseinandersetzung mit Mythologien, bis hin nach Uruk, der sumerischen Großtadt und Heimat des Königs Gilgamesch, dem ersten Epos der Weltliteratur, von dem Homer verdächtigt wird, aus ihm abgeschrieben zu haben. Wird fortgesetzt. Im achtzehnten Jahrhundert ging man davon aus, daß Buddha ein aus Afrika nach Indien eingewanderter, bei den alten Ägyptern ausgebildeter Weiser gewesen sei: «[...] qu'il se donna pour un autre Hermès, pour un nouveau législateur, et qu'il enseigna à ces peuples non seulement la doctrine hiéroglyphique des Egyptiens, mais encore leur doctrine mystérieuse. [...]»1 Es gibt einen Hinweis darauf, die Bilder von Buddha seien wie «un visage éthiopien et les cheveux crépus». Dann sind wir mit einem mal beinahe in der Geographie der schönen Jeminitinnen. Auch wird die Buddha-Lehre mit der jüdischen Kabbala und der En-Soph-Lehre verglichen, diese Lehre vom Infiniten, vom Unendlichen. Und diese Diskussion über den ägyptischen oder indischen Ursprung der Philosophie zieht sich hinein bis weit in das 19. Jahrhundert.2 Die ganze Industrie der Esoterik, im Ursprung mal geheimes Wissen, schürt dieses Feuer des Glaubens, um daran Geld zu verdienen. Fakten interessieren nicht. Der Wissenschaftstheoretiker Lutz Geldsetzer schreibt: »Die spürbare Verunsicherung in den eigenen abendländischen Traditionen stimuliert ein weites populäres Interesse an allem Fremd- und Andersartigen. Dem weltüberspannenden Tourismus entspricht ein geistiger und stimmungsmäßiger Tourismus mit Neugier und viel gutem Willen zur Kenntnisnahme und zum Einleben in exotische Verhältnisse. Ersichtlich kommt dem in Indien und bei seinen geistigen Repräsentanten eine recht missionarische Kulturpropaganda entgegen, die mit modernen Werbetechniken einstige und auch noch andauernde christliche Missionstätigkeit in umgekehrter Richtung beantwortet. Die Unzufriedenheit mit dem herrschenden realistischen Weltbild, der Verwissenschaftlichung aller Lebensverhältnisse und der Technisierung der Welt im Westen insgesamt motiviert zur Suche nach der Alternative zu alledem. Diese Alternative wird ersichtlich weniger in den eigenen in den Hintergrund gedrängten Traditionen des Idealismus, des ‹einfachen Lebens› und der ‹Nachfolge Christi› oder eines Franz von Assisi, und des handwerklichen und künstlerischen Umgangs mit den Dingen und der Natur gesucht, als vielmehr in meditativer Versenkung in höhere Regionen oder tiefere Schichten des Bewußtseins, in der Verweigerung gegenüber den Ansprüchen des Herkömmlichen oder in der schieren Untätigkeit, wozu indische Philosophie und brahmanische Weisheit frustrierte Abendländer einzuladen scheint«3 1 Engelbert Kämpfer, Geschichte und Beschreibung von Japan, hrsg. v. Chr. W. Dohm, Lemgo 1777-1779, zuerst London 1727, französisch La Haye 1729, p 130; Lutz Geldsetzer: Die klassische indische Philosophie (1999) 2 Lutz Geldsetzer, ibd. 3 ibd. ... link (0 Kommentare) ... comment petrusdrygalski
16:24h
Über das Ich ist ein anderer – Kopfvögelei
Vor einiger Zeit lernte ich via Internet eine Dame kennen, mit der zu plaudern mir geradezu ungeheure Freude bereitete, da sie unter anderem das Schreiben zwischen den Zeilen brillant beherrschte. Als wir auch persönlich einander näher kamen und sich rasch herausstellte, das konnte nur eine oder schlechthin die große Liebe sein, erklärte sie den Hintergrund dieser Paarung: Wir hätten, meinte sie, von Anfang an Kopfvögelei betrieben. Das Wort ist fruchtbar. Welch ein zauberhaftes Wort. Sie verlangt nicht nach Penetratio, sondern wünscht ein zärtliches An- und Einfühlen, ein sanftes intellektuelles Berühren mit Wörtern und Worten, ein Lesen und Schreiben zwischen den Zeilen unter vorheriger Einschaltung intellektueller Funktionen; es gibt Menschen, die dafür die schlichte Metapher Gehirn verwenden. Die Kopfvögelei verlangt vielleicht sogar nach einer gewissen Kryptik bzw. bildet möglicherweise eine eigene Sprache heraus, die der sogenannten Wirklichkeit* zuzuordnen sein könnte. Eine derartige Fremdsprache vermag eventuell sogar vor Unannehmlichkeiten zu schützen. Es ergab sich beispielsweise zu Zeiten – das Internet für alle sollte noch lange nicht ingang gesetzt sein – des stalinistisch-sowjetischen Bulgariens, daß Immer jemand mithörte und -las. Also erfand man eine eigene Sprache, die scheinbare Belanglosigkeiten übermittelte, bis hin zur offensichtlichen, aber politisch kaum jemanden interessierenden Intimität. Der lauschende oder lesende Zensor verstand sie schlicht nicht, da er der differenzierenden Wahrnehmung und deren Ausformulierung, schlicht der Abstraktion nicht fähig war. Man hielt die Geheimflüsterer für harmlose Plapperer und ließ ihnen so ihre Freiheit. Als Metapher zu diesem Vorgang ließen sich auch jene heutzutage manchmal noch umgangssprachlich gebräuchlichen potemkischen Dörfer heranziehen, von denen die aus dem Anhaltinischen stammende große Katharina mit ihrem russischen Liebhaber im stillen Kämmerlein gesprochen haben könnte; wer weiß, möglicherweise stöhnten die beiden sich sogar französisch in die Ohren; die Aufklärung befand sich schließlich bereits auf dem Vormarsch gen Osten. So erschienen dann Architekturen, die jedoch nichts weiter waren als eine Art trompe-l'œil, Sinnestäuschungen, wie sie unsere Gehirne fortwährend produzieren und uns suggerieren, Realität und/oder Wirklichkeit et vice versa zu sein, die selbst also nichts anderes darstellen als Virtualität*. Nebenbei sei angemerkt: Zu dieser Zeit gab es zwar bereits Wanzen zuhauf, jedoch noch keine, die Geheimnisse, Geheimnisvolles übertrugen. Auch sie suchten lediglich menschlich feuchte Wärme. Kopfvögle ich weiter von der Architektur der potemkischen Dörfer: Weitergehend assoziiert ließe sich diese Virtualität auch als eine Sprache des Traumes* bezeichnen. Aus einer solchen Traumsprache heraus soll ein badischer Markgraf immerhin eine ganze Stadt haben entstehen lassen. Vom verlorenen Fächer einer Dame soll er, von der Waldeslust ermattet unter einem Baum liegend, eingeschlafen sein und geträumt haben. Diese in seinem Schlafgehirn oder auch Kopftheater ablaufende Vorstellung habe er nach dem Erwachen, wer weiß, vielleicht hat ihn eine dieser zauberhaften Waldfeen wachgeküßt, sofort skizziert und den Bau anschließend in Auftrag gegeben haben. Anlaß war, wie konnte es auch anders sein unter den Größtadeligen des 17. und 18. Jahrhunderts, die allesamt dem sonnigen Ludwig aus Frankreich hinterherplanten, ein für die körperliche Liebe vorgesehenes Schlößlein, umgeben von Rabatten und Brünnlein, in dem er manch angenehme Stunde mit dieser einen Dame, aber sicherlich noch mit weiteren Dämlichkeiten, zu verbringen gedachte. Ironie der ereignisreichen Geschichte? Das seinerzeit weit abgelegene bumsfidele Haus bildet heutzutage offensichtlich beinahe das Zentrum nicht nur dieser, mir zwar auch vom Bumsen her bekannten Stadt, aber auch nur, weil ich einmal mit meiner Stoßstange die des niegelnagelneuen Automobils eines einheimischen Beamten, eine etwas absonderliche Species, die meines Wissens die menschliche Mehrheit dieser Kommune ausmacht, leicht angebumst hatte, der daraufhin zu einem Höhepunkt in Form eines Tobsuchtsanfalls kam und unter schrecklichem Gezeter die Polizei rief, die mich dann auch zur Wache schleppte, mich allerdings recht bald wieder freiließ und mir nebenbei ein gesundes französisches Verhältnis zum Verkehr attestierte. In dieser Hochburg der sogenannten Fächer-Stadt ist, das noch nebenbeier, zumindest teilweise untergebracht der deutsche Bundesverfassungsgerichtshof. Zu früheren Zeiten nannte man solche Vorgänge auch schon mal frivol. Etwas aufgefächert sind bei derart träumerischen Planungen auch andere Assoziationen zulässig. Mir schwant da etwa Leda oder das courbetsche Gemälde L’Origine du monde. * Auf die Begriffe Realität, Virtualität und Wirklichkeit werde ich anläßlich eines weiteren Zwischenspiels der hiesigen Liebesgeschichte eingehen, das auch als sich wieder-holendes Nachspiel bezeichnet werden darf. ... link (0 Kommentare) ... comment |
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Diesen Link wollte ich seit Monaten hier lassen. Jetzt... by sid (2015.01.20, 01:46) Spät, aber immerhin
komme ich hier wieder rein. Da sind wir wohl eins.... by petrusdrygalski (2014.11.08, 18:18) Guten Morgen,
was für...
Guten Morgen, was für ein Gott, der keine anderen... by wuhei (2014.11.01, 10:40) Danke, danke, danke,...
Danke, danke, danke, etwas langatmig, aber durchaus... by wuhei (2014.09.09, 11:12) @wuhei
Hihi - sehr schön....
@wuhei Hihi - sehr schön. Der Schanigarten hat... by sid (2014.09.07, 00:49) Um Entschuldigung
bittet der der österreichischen Dialekte ohnmächtige... by petrusdrygalski (2014.08.27, 11:55) Was bitte ist gegen regionale...
Was bitte ist gegen regionale Bezeichnung einzuwenden?... by wuhei (2014.08.20, 10:29) Mir ist neu, daß...
Mir ist neu, daß die Watschen etwas mit dem Küchenlatein... by sid (2014.08.20, 01:34) Die Watschn hast vergessen....
Die Watschn hast vergessen. Und ein Reindling ist in... by der imperialist (2014.08.19, 21:43) Wieder was gelernt -...
Wieder was gelernt - Klacheln kannte ich nicht. Bei... by sid (2014.08.19, 15:53) © (soweit nicht anders gekennzeichnet): Petrus Drygalski |
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