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Donnerstag, 8. Mai 2014
petrusdrygalski
17:25h
Wurzel des Gutmenschentums?
Jean-Jaques Rousseau, der seit langem verweste Leichnam in der Ruhmeshalle des Pariser Pantheon. Zu meiner Zeit als Studiosus galt er als Vordenker der Aufklärung, seine Schriften waren als beispielgebend im Umlauf, und dabei ist es vielfach bis heute geblieben. Noch Mitte der neunziger Jahre versuchte ein Freund mir bei jeder sich ihm bietenden Gelegenheit dessen Thesen einzubleuen, und als ihm dies nicht gelang, veröffentlichte er quasi aus Trotz einen hymnischen Essay mit Missionscharakter auf ihn. Dabei war Rousseau geistiger Urahn des Totalitären. Der Historiker Philipp Blom ist überzeugt: Rousseau ebnete den Weg für die Unterdrückung des Menschen im Namen des 'Guten'; das erklärte vielleicht die leicht seltsame Formulierung 'Gutmensch'. Rousseau sei wichtig gewesen für Diktatoren, meint Blom. Er sei die Vorlage gewesen "für die Legitimisierung des Stalinismus von Robespierre, von Pol Pot. Sie haben ihn alle verehrt und gelesen". Jean-Jaques Rousseau war alles andere als ein Menschenfreund - wie er etwa noch mir bereits fortgeschrittenem Studenten in der späteren Heimat Calvins noch präsentiert worden war: gar als Vorbild für die Erziehung von Kindern -, sondern ein Feind der menschlichen Freiheit, und das alles im Namen der Aufklärung, meint Blom. Endlich hat's mal jemand gemeint. Blom urteilt heftig über Rousseau. Um die ideale Gesellschaft zu schaffen, dürfe der Staat auch Zwang anwenden, erkennt der Historiker bei den Aussagen dieses französischen Philosophen. Blom führt all das auf die tiefe Religiösität Rousseaus zurück, der ohnehin auf ein besseres Leben nach dem Tod hoffte; wobei nicht außeracht gelassen werden darf, daß viele, wenn nicht gar die meisten Aufklärer sich immer wieder auf Gott beriefen. Der aufklärerische Philosoph und Gesellschaftserneuerer Rousseau war laut Blom hart gegen sich selbst und nicht minder im Umgang mit dem Bourgois, den er sich für eine bzw. in einer besseren Welt wünschte. Bestandteil dieser Theorie war laut Blom: "Er hat seinen Körper und die Sexualität gehaßt. [...] Er wollte eine autoritäre Regierung. Er hat diese Dinge ihres christlichen Vokabulars entkleidet. Deswegen konnte man im 19. Jahrhundert mit Rousseau wunderbar eine autoritäre Gesellschaft im Namen der Freiheit denken." Und manche tun das noch heute: aufklären mit Hilfe des lieben Gottes. Besprechungen: Böse Philsosophen ... comment |
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komme ich hier wieder rein. Da sind wir wohl eins.... by petrusdrygalski (2014.11.08, 18:18) Guten Morgen,
was für...
Guten Morgen, was für ein Gott, der keine anderen... by wuhei (2014.11.01, 10:40) Danke, danke, danke,...
Danke, danke, danke, etwas langatmig, aber durchaus... by wuhei (2014.09.09, 11:12) @wuhei
Hihi - sehr schön....
@wuhei Hihi - sehr schön. Der Schanigarten hat... by sid (2014.09.07, 00:49) Um Entschuldigung
bittet der der österreichischen Dialekte ohnmächtige... by petrusdrygalski (2014.08.27, 11:55) Was bitte ist gegen regionale...
Was bitte ist gegen regionale Bezeichnung einzuwenden?... by wuhei (2014.08.20, 10:29) Mir ist neu, daß...
Mir ist neu, daß die Watschen etwas mit dem Küchenlatein... by sid (2014.08.20, 01:34) Die Watschn hast vergessen....
Die Watschn hast vergessen. Und ein Reindling ist in... by der imperialist (2014.08.19, 21:43) Wieder was gelernt -...
Wieder was gelernt - Klacheln kannte ich nicht. Bei... by sid (2014.08.19, 15:53) © (soweit nicht anders gekennzeichnet): Petrus Drygalski |
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