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Samstag, 18. Oktober 2014
petrusdrygalski
22:08h
Eine Sprache
Babel – balal
abgelegt: Mythologie
328
„Alle Welt hatte nur eine Sprache und dieselben Laute. Als man vom Osten her aufbrach, fand man im Lande Sinear[1] eine Ebene und wohnte daselbst. Sie sprachen zueinander: 'Wohlan, laßt uns Ziegel streichen und sie hart brennen!' Und es diente ihnen der Ziegel als Stein, und das Erdpech diente ihnen als Mörtel. Dann riefen sie: 'Auf! Laßt uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis in den Himmel reicht. Wir wollen uns einen Namen machen, damit wir nicht in alle Welt zerstreut werden.' Jahwe aber fuhr herab, um sich die Stadt und den Turm, den sich die Menschen erbaut hatten, anzuschauen. Jahwe sprach: 'Siehe, sie sind ein Volk, und nur eine Sprache haben sie alle; das ist aber erst der Anfang ihres Tuns. Nichts von dem, was sie vorhaben, wird ihnen unmöglich sein. Wohlan, laßt uns hinabsteigen! Wir wollen dort ihre Sprache verwirren, daß keiner mehr die Rede des andern versteht.' Und Jahwe zerstreute sie von da aus über die ganze Erde hin; sie hörten mit dem Städtebau auf. Darum heißt die Stadt 'Babel' [2]; denn dort hat Jahwe die Sprache der ganzen Welt verwirrt, und von da aus hat er sie über die ganze Erde hin zerstreut.“ (I Mose 11, 1 - 9) 1 Sinear ist die Bezeichnung für Babylonien. 2 Babel heißt vermutlich „Tor Gottes“; hebräische Ohren hörten aus dem Namen das Wort balal = „verwirren, vermengen“ heraus. Aus: Altes Testament. Einführungen. Texte. Kommentare. Hrsg. v. Hanns-Martin Lutz †, Hermann Timm, Eike Christian Hirsch. Mit einer Einleitung von Gerhard von Rad. Neuausgabe 1977, 2. Aufl., 8. - 12. T. 1977, R. Piper-Verlag, München 1977 „Man denke sich einen Menschen (einen umgekehrten Monsieur Teste), der alle Klassenbarrieren, alle Ausschließlichkeiten bei sich niederreißt, nicht aus Synkretismus, sondern nur um jenes alte Gespenst abzuschütteln: den logischen Widerspruch; einen Menschen, der alle Sprachen miteinander vermengt, mögen sie auch als unvereinbar gelten; der stumm erträgt, daß man ihn des Illogismus, der Treulosigkeit zeiht; der sich nicht beirren läßt von der sokratischen Ironie (den anderen zur äußersten Schande treiben; sich zu widersprechen) und vom Gesetzesterror (wie viele strafrechtliche Beweise fußen auf einer Psychologie der Einheit!). Ein solcher Mensch wäre der Abschaum unserer Gesellschaft: Gericht, Schule, Irrenhaus und Konversation würden ihn zum Außenseiter machen: wer erträgt schon ohne Scham, sich zu widersprechen? Nun, dieser Antiheld existiert: es ist der Leser eines Textes in dem Moment, da er Lust empfindet. Der alte biblische Mythos kehrt sich um, die Verwirrung der Sprachen ist keine Strafe mehr, das Subjekt gelangt zur Wollust durch die Kohabitation der Sprachen, die nebeneinander arbeiten: der Text der Lust, das ist das glückliche Babel.” Roland Barthes Aus: Die Lust am Text (Le plaisir du texte), aus dem Französischen von Traugott König, Suhrkamp-Verlag, Frankfurt am Main 1974, S. 8 ... comment
wuhei,
Samstag, 1. November 2014, 10:40
Guten Morgen,
was für ein Gott, der keine anderen Mittel hat als zu strafen. Und dumm genug, um nicht die unglaubliche Bereicherung durch viele verschiedene Sprachen vorauszusehen? ... link
petrusdrygalski,
Samstag, 8. November 2014, 18:18
Spät, aber immerhin
komme ich hier wieder rein.
Da sind wir wohl eins. Ich bin übrigens auf die Idee zu obigen Anmerkungen gekommen, nachdem ich ich einen Aufsatz über das Gilgamesch-Epos, über die Forschung im Land zwischen Euphrat und Tigris gelesen habe. Bis zu 6000 Jahren alt und älter dürfte die Kultur bzw. deren Geschichte sein, aus der, so mein Eindruck, gut und gerne das Alte Testament abgeschrieben worden sein könnte; die Sintflut bzw. Noahs Arche stammt aus dieser Zeit. Und was hat das Christentum daraus gemacht. ... link ... comment |
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Diesen Link wollte ich seit Monaten hier lassen. Jetzt... by sid (2015.01.20, 01:46) Spät, aber immerhin
komme ich hier wieder rein. Da sind wir wohl eins.... by petrusdrygalski (2014.11.08, 18:18) Guten Morgen,
was für...
Guten Morgen, was für ein Gott, der keine anderen... by wuhei (2014.11.01, 10:40) Danke, danke, danke,...
Danke, danke, danke, etwas langatmig, aber durchaus... by wuhei (2014.09.09, 11:12) @wuhei
Hihi - sehr schön....
@wuhei Hihi - sehr schön. Der Schanigarten hat... by sid (2014.09.07, 00:49) Um Entschuldigung
bittet der der österreichischen Dialekte ohnmächtige... by petrusdrygalski (2014.08.27, 11:55) Was bitte ist gegen regionale...
Was bitte ist gegen regionale Bezeichnung einzuwenden?... by wuhei (2014.08.20, 10:29) Mir ist neu, daß...
Mir ist neu, daß die Watschen etwas mit dem Küchenlatein... by sid (2014.08.20, 01:34) Die Watschn hast vergessen....
Die Watschn hast vergessen. Und ein Reindling ist in... by der imperialist (2014.08.19, 21:43) Wieder was gelernt -...
Wieder was gelernt - Klacheln kannte ich nicht. Bei... by sid (2014.08.19, 15:53) © (soweit nicht anders gekennzeichnet): Petrus Drygalski |
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